Genuss mit Tradition

Das Kachelhaus

Das Kachelhaus, innen


Das Kachelhaus in der Bielefelder Altstadt ist seit 1928 ein Blickfang und gehört zu den interessantesten Gebäuden der Stadt. Das Haus wurde von Wilhelm Harms in Auftrag gegeben und von seinem Freund dem jüdischen Architekten Paul Löwenthal errichtet, der dieses mit grünen Meißner Kacheln verkleiden ließ. Dass die Kosten mit 300.000 Rentenmark das Budget weit überstiegen, war nicht Löwenthals Schuld. Unter dem Haus befand sich Treibsand. Eine Neuplanung war erforderlich. Statt wie ursprünglich vorgesehen dreigeschossig wurde das Haus nur noch zweigeschossig errichtet. Zu dieser Zeit beklagte sich Harms bei seiner Familie häufig über die hohen Zinsen. Nach heutiger Einschätzung liefen die Geschäfte allerdings erfolgreich. Nach der Fertigstellung des Kachelhauses entbrannten kontroverse Diskussionen, über den avantgardistischen Bau, zwischen der Bielefelder Bevölkerung. Viele Bürger empfanden den Bau als Provokation und konnten sich nicht damit identifizieren.
Wegen der eigens in Meißen gebrannten keramischen Platten wird das Gebäude “Meißener Kachelhaus” oder nach seinem Bauherrn auch “Harmshaus” genannt. Das Kachelhaus beherbergte seit seiner Fertigstellung verschiedene Geschäfte in denen vorwiegend Lebensmittel verkauft wurden: Ab 1944 waren der ,,Butterkeller Kronsbein” und später das ,,Brothaus Rohde” sowie ,,Zoo Kaese” dort zu Hause. Den zweiten Weltkrieg überstand das Haus unbeschädigt. Im Jahr 1983 zog die Kaufmannsfamilie Ebeler mit einem Feinkostgeschäft ein. Im Jahr 2002 wurde das Ladenlokal weitgehend in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Ende August 2010 hatte Stephan Ebeler den 200 Quadratmeter großen Laden für viele seiner Kunden überraschend geschlossen.
Seine Nachfolgerin, eine Konditorin aus Bad Pyrmont, zog ein knappes Jahr später ein und schloss das Café bereits nach acht Monaten.